Kooperative Praxis

Wir müssen uns verändern, um zu bleiben, was wir sind

Giuseppe Tomasi di Lampedusa in “Der Leopard”

Anwälte, die auch Mediatoren sind, haben immer wieder darüber geklagt, dass die Nachfrage nach Mediation gemessen an ihrem Wert, Konflikte zu lösen, zu gering sei. Zugleich aber haben sie den steigenden Wunsch der Rechtssuchenden -  vor allem im Familienrecht - bemerkt, Streitigkeiten fair und ohne gegenseitige Herabsetzung auszutragen. Die Antwort darauf ist die “kooperative Praxis”. “Kooperative Praxis” bedeutet, das Recht nicht gegeneinander anzuwenden, sondern miteinander. Hauptziel ist eine faire Einigung, in der sowohl das Recht wie auch die persönlichen Wertvorstellungen der Beteiligten einen Platz haben.  Dies geschieht dadurch, dass Anwaltsvertretung und die Methoden der Mediation in einer Hand vereint werden.

Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass Rechtsauseinandersetzung und Kooperation keine grundsätzlichen Gegensätze sind (siehe „Philosophie“). Anwaltliche Vertretung mit dem Ziel einer Kooperation ist  mit dem Recht sehr wohl vereinbar. Dass dieser Gedanke “neu entdeckt” werden musste, ist darum an sich verwunderlich. Die Unzufriedenheit mit “Rechtskriegen” musste wohl erst groß genug werden, bis man sich wieder auf die Grundideen des Rechts besann. Inzwischen ist die die “Kooperative Praxis” , oder, wie es im englischen Sprachraum heißt: “Collaborative Law“, oder “Collaborative Practice“, zu einer internationalen Bewegung georden, die ständig neue Anhänger gewinnt. In Deutschland hat sich zunächst im Münchner Raum ein  Zusammenschluss gebildet, vgl. “www.cooperative-praxis.de“. In Frankfurt wurde im Dezember 2008 der Verein “Anwaltliches Netzwerk für kooperative Praxis und Mediatin - AN.KOM e.V.” gegründet, vgl.”www.an-kom.de“.  Ähnliche Ansätze finden sich inzwischen auch bei Gerichten, im hiesigen Raum etwa das sog. “Königsteiner Modell“.

Voraussetzung ist, dass nach dem Auftrag mit der Gegenseite entweder inhaltlich gemeinsame Interessen betroffen sind (etwa das Wohlergehen der gemeinsamen Kinder) oder Gemeinsamkeiten in der Form (d.h. einvernehmliche, außergerichtliche Lösungen) angestrebt werden. Nicht erforderlich für den Auftrag eines kooperativen Mandats ist, dass die Gegenseite von vorn herein eine kooperative Einstellung hat. Ziel des Auftrags kann dann sein, die Gegenseite zur Kooperation zu bewegen.

Scheitert die Kooperation daran, dass die andere Seite nicht mitmacht oder sich streitverschärfend verhält, soll dennoch nicht der destruktive Stil der Gegenseite übernommen werden. Die Grenze bildet hier das Interesse der eigenen Partei, selbst keine Nachteile zu erleiden.

Einzelheiten siehe: Formular Besondere Mandatsbedingungen, sowie Merkblatt für Mandanten.