9. November 2008

Bundeskongress Mediation 2008 und “kooperative Praxis”

KletteVom 9. 10 - 11. 10. 2008  fand in München der Jahreskongress des Bundesverbands Mediation unter dem Motto “Dialog in die Zukunft” statt. Die Großveranstaltung mit ca. 400 Teilnehmern zu Vorträgen und zahllosen Workshops bemühte sich vor allem, das breite Spektrum der Mediation öffentlich kundzutun: Kaum ein Bereich von Konflikten, dem man nicht zutraute, den segensreichen Wirkungen der Mediation zugeneigt zu sein.

Uns interessierte vor allem ein Workshop der aus den Gründertagen der Mediation bekannten Rechtsanwälte Dres. Hans-Georg und Gisela Mähler zur “Kooperativen Praxis” , - offensichtlich einem verwandten Ansatz zum hiesigen “Kooperativen Mandat” und der “Anwaltsmediation”.

Wir hatten erwartet, uns in einem Raum von vielleicht hundert Teilnehmern wiederzufinden, und trafen eine eine Gruppe von sechs Menschen, wie einer kleinen Familie. Das war die erste Überraschung. Die Eheleute Mähler als diejenigen, die die Mediation vor 20 Jahren nach Deutschland gebracht haben, die “Eltern” der Mediation sozusagen, sowie drei andere der ersten Stunde. Dazu zwei neu ausgebildete Mediatoren, der Nachwuchs. Und alles Rechtsanwälte/Innen.

Die zweite Überraschung: Es waren die Eheleute Mähler, die seit dem Beginn vor 20 Jahren stets gefordertKlette hatten, Anwaltstätigkeit und Mediation strikt zu trennen. Nun standen sie da als Protagonisten eines neuen Konzepts, das eben diese “Unvereinbarkeiten” wieder zusammenführt. “Wir sind nicht enttäuscht über die kleine Gruppe heute”, begannen sie, “in München haben wir auch mit so Wenigen angefangen und jetzt sind es schon 50 in unserem Netzwerk (vgl. “www.cooperative-praxis.de“). Wir fühlen uns wieder als Pioniere, wie schon einmal vor 20 Jahren.”

Das Konzept “Kooperative Praxis” kommt aus Amerika und hat sich dort in kürzester Zeit zu einem regelrechten Renner entwickelt (vgl. etwa “www.collaborativepractice.com“), so erfuhren wir. Von unserem Konzept der “kooperativen Praxis” im Frankfurter unterscheidet es sich nur wenig, obwohl wir zu seinen Ursprüngen bisher keinerlei Kontakt hatten, d.h. wir völlig unabhängig davon selber auf den Gedanken gekommen waren. Uns fiel lediglich auf, dass das Konzept der Mählers, das sich an dem US-Konzept orientiert, mit weiteren Professionellen - wie Coaches, Psychologen und Kindertherapeuten - arbeitet, die je nach Bedarf in die gemeinsame kooperative Verhandlung einbezogen werden.

Wir glauben jedoch, dass wir im Regelfall auch eine solche fachliche Verstärkung verzichten können, da diese nicht nur den Aufwand und die Kosten in die Höhe treibt, sondern auch zur Unübersichtlichkeit und Abstimmungsproblemen im Verfahren führen kann.