8. November 2008

Nachlese zum 4. Kongress “Integrierte Mediation”

KletteWas ist eigentlich “integrierte Mediation”?

Laut Veranstalter im Wesentlichen das, was das Justizprojekt in Rheinland-Pfalz mit der Mediations-Ausbildung seiner Familienrichter “flächendeckend” anstrebt: Mediation zum integrierten Bestandteil des Gerichtsverfahrens zu machen. Es ist aber noch weit mehr, nämlich eine “Rückkehr” menschengerechter Kommunikation in formalisierte Streitlösungsverfahren.

Der Tagungsteilnehmer Dr. Amin Talab aus Österreich hat es durch seine Frage auf den Punkt gebracht:

“Ist es ‘integrierte Mediation’, wenn ich bei einem Auftrag zur Team- oder Organisationsentwicklung in einem Betrieb zwischen rivalisierenden Gruppen oder Personen mit meinem Know-How als Mediator vermittele? Ja, das genau ist die Idee: Innerhalb irgend eines Auftrags herkömmlicher Berufsformen kann Mediation eingesetzt werden. Freilich müssen dann die Prinzipien der Mediation besonders scharf ins Bewusstsein gerückt werden. Auch wenn hierbei die Intuition eine wichtige Rolle spielt, so bleibt die Bezeichnung Mediation einer klar strukturierten Vorgehensweise vorbehalten.

Uns interessierte auf der Tagung vor allem die Übertragung dieser Idee auf die Arbeit der Rechtsanwälte. Der Ansatz  der “kooperativen Praxis”, d. h. des “kooperativen Mandats” kommt dem Gedanken der “integrierten Mediation” sehr nahe.  Die Vorstellung des hiesigen Konzepts traf dort auf breite Zustimmung, auch in seiner Begründung durch die Berufsordnung: Gerade der auch unter Juristen so geläufige Begriff “Interessenvertretung” macht deutlich, dass die Vorstellung vieler Anwälte, ihre Parteien in ihren eingeschränkten “Kampfpositionen” zu vertreten, nicht unbedingt dem standesrechtlichen Bild der Rechtsanwälte entspricht, wie es in ihrer Berufsordnung (§ 1 BORA) geschrieben steht.

Es lohnt daher, über das Parteiinteresse genauer nachzudenken. Natürlich möchte jede Partei gewinnen. Doch was nützt ein Sieg, wenn der Streit danach weitergeht oder noch schlimmer wird? Die Prozessparteien sich endgültig als Feinde gegenüberstehen, die Kinder zu Trophäen werden und Familien in gegnerische Lager zerfallen? Die Frage, was der eigene Mandant wirklich will, wird so zum Gegenstand eines Coaching während der gesamten Rechtsvertretung - und bleibt nicht an der Oberfläche kurzfristiger Befriedigungen hängen. Für jeden Anwalt, der sich darauf versteht, eine Bereicherung seiner Arbeit - und ein Weg zu mehr Freude im Beruf!